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"Ich bin in Sehnsucht eingehüllt" Musik und Lyrik in memoriam
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der gut besuchten Zehntscheuer in Eichstetten gab das Duo da Camera aus
Karlsruhe (Brunhilde Holderbach, Blockflöten, und Michael Spengler,
Viola da gamba) ein Gedenkkonzert in Erinnerung an die junge Lyrikerin
Selma Meerbaum-Eisinger. Das Motto lautete „Ich bin in Sehnsucht
eingehüllt“. Der Förderverein für die Orgel und der Geschichtsverein
hatten die Künstler im Rahmen des alljährlich stattfindenden Gedenkens
an das Schicksal ehemaliger jüdischer Mitbürger eingeladen. Andreas
Fischer, der Vorsitzende des Fördervereins, skizzierte zu Beginn die
Lebensgeschichte der frühbegabten Lyrikerin. Sie gehörte zur großen jüdischen
Gemeinde in Czernowitz (Bukowina), damals zu Rumänien, heute zur
Ukraine gehörend. Selma, ein Mädchen von 16 Jahren, liebte einen
Jungen von 17. Sie widmete ihm ein Tagebuch mit wunderbarer Liebeslyrik,
die mehr Traum als Wirklichkeit spiegelte. 1942 wurde sie in ein
Arbeitslager für Straßenbau deportiert, wo sie im Dezember mit
achtzehn Jahren an Typhus starb. Vorher hatte sie ihr Album bei einer
Freundin deponiert. Auf abenteuerliche Weise gelangte es schließlich
1980 nach Deutschland. Brunhilde
Holderbach sprach eine Auswahl von neun Gedichten über Morgen und
Abend, Regen, Schlaf, Träume und Glück. „Eine Lyrik, die man weinend
vor Aufregung liest: so rein, so schön, so hell und so bedroht“
(Hilde Domin). Die sehr feine Rezitation wurde durchsetzt mit Musik der
Renaissance- und Barockzeit, meisterlich gespielt auf verschiedenen
Blockflöten und begleitet auf der siebensaitigen Gambe. Michael
Spengler beeindruckte in besonderer Weise mit seiner Art, die Gambe oft
über alle Saiten akkordisch zu zupfen wie eine Laute. Nach
dem Konzert konnten sich die tief beeindruckten Zuhörer noch bei Wein
und Brot über das Gehörte aussprechen. Die
Gedichtsammlung ist unter dem Titel des Konzerts bei Hoffmann &
Campe erschienen.
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